Der Mythos von der zerstörten Familie

Selbst wenn die Liebe zerbrochen ist, muss eine Familie noch lange nicht zerrüttet sein.

Noch heute, nach über zehn Jahren als getrennte Mama, ist es mir unangenehm, meine Familiensituation zu erklären -egal ob es einer neue Kollegin ist, anderen Eltern auf dem Spielplatz oder einem Date.

Interessanterweise ist es mir nicht unangenehm, weil ich selbst damit unglücklich wäre, sondern weil ich den Eindruck habe, mein Gegenüber in eine unangenehme Situation zu bringen. Als sei meine Familie eine Art Zumutung, mit der ich andere belästigen würde, weil ich sie damit aus der Happy-Family-Komfortzone raus kicke.

„Hi, ich bin Silja. Ich habe drei Kinder von zwei Papas und lebe von beiden getrennt.“

Meistens ist mein Unwohlsein unbegründet, die Reaktionen souverän. Hin und wieder meine ich leichtes Entsetzen in den Augen zu sehen, bisschen nervig finde ich auch übertriebene Toleranzbekundungen. Am allerschlimmsten ist aber Mitleid. „Oh das tut mir aber leid, dass es dich so schlimm erwischt hat, wie schade für euch alle“ blabla. Das macht mich richtig wütend. Und, wenn ich ehrlich bin, auch traurig. Und, wenn ich noch ehrlicher bin, verunsichert es mich auch ein bisschen. Ist meine „zerstörte“ Familie unnormal? Eine chaotische Zumutung? Aber was stimmt denn dann bitte mit mir nicht, dass ich meine Familie genau so mag, wie sie ist und mit niemandem auf der Welt tauschen wollen würde?

Natürlich ist das nur eine emotionale Reaktion, der unbewusste Wunsch, einer Norm zu entsprechen – die es aber in der Realität gar nicht gibt. Und ich weiß, dass es eher die Unwissenheit und die Intoleranz der anderen ist, die sich ganz fest an diese vermeintliche und ach-so-schöne Norm klammern.

Das trügerische Bild von der idealen Familie

Diese Norm, das wissen wir alle, entspricht immer noch weitestgehend der sogenannten bürgerlichen Kleinfamilie, die charakterisiert ist durch das exklusive Zusammenleben von Mann und Frau (bitte verheiratet!) mit ihren Kindern. Und einer strengen Aufgabenverteilung: Der Mann schafft von außen das Geld heran, die Frau sorgt nach innen für Ordnung – natürlich ewig lächelnd und super gestylt. Dieses Bild entstand zwar bereits im 19. Jahrhundert, seine Blütezeit hatte es aber nur mickrige 20 Jahre lang, grob zwischen 1955 und 1975.

Trotzdem hat es sich uns irgendwie massiv in die Hirne gebrannt, wahrscheinlich auch, weil zeitgleich der Siegeszug des Fernsehens begann – über die Röhre wurden die Haushalte der westlichen Welt mit Bildern von idealisierten und glücklichen Kleinfamilien geflutet. Das prägte sowohl die Wahrnehmung der Generation unserer Eltern als auch unsere eigene Sichtweise so nachhaltig, dass wir in ihr die absolute Familienwahrheit sehen – von der wir uns skandalöserweise nun in Folge von Individualisierung, Egozentrik, Selbstverwirklichungswahn (vor allem der Frauen!) immer weiter weg bewegen, auf Kosten der armen Kinder.

Die bürgerliche Kleinfamilie: Ein Rülpser der Geschichte

Das ist aber Unsinn – zum einen hat es vorher, in zehntausenden Jahren der Menschheitsgeschichte KEINE Kleinfamilien gegeben. Sie sei nur ein „Rülpser der Geschichte„, sagte ein Journalist in einem Interview in dem Zusammenhang, das find ich ganz witzig. Der Soziologe und Familienforscher Norbert F. Schneider findet ebenfalls klare Worte:

Eine derartige Dominanz einer einzelnen Lebensform und des damit verbundenen Musters der Lebensführung ist historisch gesehen ein Ausnahmefall. Davor, d. h. insbesondere auch im 18. und 19. Jahrhundert, existierte eine Vielfalt von Lebensformen, die hauptsächlich durch den großen Einfluss der sozialstrukturellen Lage auf die Familienformen, ökonomisch begründete Heiratsverbote und das hohe Risiko der Verwitwung in jungen Jahren verursacht war.

Norbert F. Schneider (2012), DER WANDEL VON DER VORINDUSTRIELLEN ZUR INDUSTRIELLEN FAMILIE

In den Jahrtausenden zuvor war Familie also extrem vielfältig: Blicken wir nur ein paar Jahrhunderte zurück ins Mittelalter: Heiraten war damals Standesprivileg, nur die wenigsten Menschen konnten sich das überhaupt leisten. Außerdem gab es Menschen, die sich aktiv gegen ein Leben in der weltlichen Familie entschieden haben, und ihr „Familienglück“ im Kloster suchten – Männer wie Frauen.

Doch auch diejenigen, die heirateten, lebten mitnichten im Sinne einer heutigen Kleinfamilie zusammen: Ständisch-feudale Familien genau wie Bauernfamilien waren größtenteils als autark wirtschaftender Hausverband organisiert, zu dem ganz selbstverständlich nicht nur Eheleute und Kinder, sondern auch Verwandte, Angestellte und sonstige Abhängige zählten. Aufgrund der hohen Müttersterblichkeit gab es außerdem jede Menge Patchworkfamilien. Fun fact: hier kommt das Sprichwort „Mit Kind und Kegel“ her, Kegel sind in dem Fall die mit in die neue Ehe gebrachten Kinder.

Familie war damals auch ein wichtiger Aspekt in Bezug auf Sicherheit: das soziale Netzwerk, das man mit einer Heirat begründete, gewährleistete Schutz in einer Zeit, in der die einzelne Person draußen in der Welt nicht viel zählte. Heute haben sich die Sicherheitsbedingungen traurigerweise umgedreht: Statistisch gesehen ist in Deutschland die Gefahr, Opfer von Gewalt zu werden, innerhalb der Familie größer, als außerhalb.

Es gibt in unserer hochzivilisierten Gesellschaft keinen unsichereren Ort als die Familie.

PROF. Kai Bussmann (2010)

Kleinfamilie als emotionalisiertes Patriarchat

Zusätzlich kann man es getrost als Mythos bezeichnen, dass die bürgerliche Kleinfamilien der Quell der Glückseligkeit wäre. Auch in Familien, in denen es keine physische Gewalt gab/gibt, litten/leiden insbesondere Frauen unter dem Modell, das im Kern auf einer Ungerechtigkeit und Ungleichheit der Geschlechter aufbaut.

In ihrer Abhandlung über den Wandel der bürgerlichen Kleinfamilie bezeichnet die Philosophin Frieda Kuster diese als „emotionalisiertes Patriarchat“: War es im Mittelalter noch common sense, dass der Mann der Frau im Sinne einer hierarchisch gegliederten Weltordnung übergeordnet war, so begann sich dies nach außen hin mit dem Siegeszug der romantischen Liebe und der darauf begründeten Ehe zu ändern. Schließlich hatten Frauen nun ein Mitspracherecht in der Wahl ihres Gatten. Jedoch wurde hier unter dem „Deckmantel der Freiwilligkeit“ in den eigenen vier Wänden weitergeführt, was nun nicht mehr offen gelebt werden konnte. Frauen durften sich ihr Oberhaupt nun also immerhin aussuchen. Super!

Mit der charakteristischen Arbeitsteilung entstand außerdem eine krasse Ungleichheit der Sichtbarkeit von Arbeit: Die weibliche Care-Arbeit ging – im Unterschied zur männlichen Geld-Arbeit – weitestgehend unsichtbar und unbezahlt vonstatten. Könnt ihr euch vorstellen, dass Männer noch bis 1977 einwilligen mussten, wenn ihre Ehefrau außerhalb des Hauses arbeiten wollte? Und gar ihren Arbeitsvertrag kündigen konnten? Mit der Begründung, dass es eben das wichtigste sei, dass die Frau ihren Verpflichtungen im Haushalt nachkommt? Da finde ich den Begriff: „emotionalisierte Sklavenhaltung“ ja schon fast zutreffender, als emotionalisiertes Patriarchat!

Unfassbar auch, dass sich die Vorstellung so hartnäckig hielt, dass das für Frauen doch eigentlich total toll ist: Sie können ganz in ihrer natürlichen Bestimmung (Kinder großziehen, einen Mann umsorgen, Kuchen backen und putzen) aufgehen, während der Mann sich in der bösen Arbeitswelt abrackert, damit die Familie finanziell gut versorgt ist. In „Der Weiblichkeitswahn oder die Selbstbefreiung der Frau“ entmystifiziert Betty Friedan, eine der Begründerinnen der amerikanischen Frauenbewegung, schon 1963 den Mythos von dieser vermeintlich glücklichen Hausfrau, denn: tatsächlich waren die meisten Frauen verdammt unglücklich in diesem Arrangement, hatten sie doch keinerlei Möglichkeiten, ihre eigenen Talente und Visionen zu verwirklichen – obwohl sie häufig gut ausgebildet waren:

„Das Problem lag verborgen, für viele Jahre unausgesprochen in den Köpfen der amerikanischen Frau. Es war ein merkwürdiges aufgewühlt-sein, ein Gefühl der Unzufriedenheit, eine Sehnsucht, unter der Frauen in den vereinigten Staates von Amerika in der Mitte des 20. Jahrhunderts litten. Jede Vorstadt-Hausfrau kämpfte damit alleine. Wenn sie die Betten machte, Lebensmittel einkaufte, passende Schonbezüge auswählte, mit ihren Kindern Erdnussbutter-Sandwiches aß, Pfadfinder und Schokokuchen herumkutschierte, nachts neben ihrem Mann im Bett lag – immer trug sie diese Frage im Kopf, die sie sich selbst nicht zu stellen traute: – „Soll das alles sein?““

Betty Friedan (1963), Der weiblichkeitswahn oder die selbstbefreiung der frau

Eine noch größere Katastrophe bedeutet das Bild der traditionellen bürgerlichen Kleinfamilie für all diejenigen, die sich nicht mal theoretisch in ihm wiederfinden können – sei es aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Hautfarbe, ihrer Vermögensverhältnisse usw.

Mittlerweile haben wir uns ja glücklicherweise schon ein ganzes Stück von diesem Bild entfernt. Ich weiß, dass auch die meisten Männer sich nicht bewusst eine Rückkehr zu dieser Form der traditionellen Familie wünschen. Wir sind insgesamt auf einem guten Weg. Aber dennoch gibt es Kräfte, die immer noch an uns zerren, unbewusste Kräfte, die deshalb schwer zu greifen und damit schwer zu bekämpfen sind. Und die uns ganz tief emotional betreffen. Wie zum Beispiel die Idealisierung der Mutterrolle.

Bürgerliche Kleinfamilie und Mutterideal

Kinder gehören zur Mutter. Fertig. Ein Satz, der sowohl für Mütter als auch für Väter emotional katastrophal sein kann. Für Frauen, weil sie den Eindruck haben müssen, jede Form der Selbstverwirklichung sei ein Vergehen am eigenen Kind (Stichwort: Mom-Guilt), und für Väter, weil sie in ihrer Relevanz für das Leben und die Entwicklung des Kindes herabgesetzt werden. Natürlich brauchen Kinder eine stabile Bindung zu engen Bezugspersonen. Und in den meisten Fällen ist die Mutter über das Stillen natürlicherweise diese erste und engste Bezugsperson. Aber das heißt mitnichten, dass nicht auch Väter, Omas, Pflegeeltern etc. diese Rolle einnehmen können. Es zeigt sich außerdem, dass Kinder von einem großen sozialen Netz, also mit vielen verschiedenen Bezugspersonen profitieren, sowohl in ihrer Entwicklung als auch gesundheitlich.

Auch der Blick in die Geschichte zeigt wieder, dass es mit dem idealisierten Mutterbild nicht weit her ist: Im Mittelalter z.B. übergab jede Frau, die es sich leisten konnte, die Verantwortung für das Stillen an eine Amme. In Adelshäusern wurden Kinder von Anfang an fremdbetreut und in jungem Alter bereits für die Ausbildung ins Kloster oder auf eine andere Burg geschickt. Bei Bauernfamilien waren Kinder von Geburt an in Arbeitsprozesse mit eingebunden. Vor dem Hintergrund, dass Kinder damals schon in jüngsten Jahren aufs Feld oder von der Familie weggeschickt wurden ist es wirklich erstaunlich, dass sich das Bild so hartnäckig hält, dass wir Eltern von heute Rabeneltern sind, wenn wir unsere Kinder ein paar Stunden am Tag in die Krippe geben.

Interessanterweise sparen wir außerdem einen weiten Teil Deutschlands in der Betrachtung aus: Die in der DDR vorherrschende sozialistische Kleinfamilie, die von der vollen Erwerbstätigkeit beider Eltern geprägt war. Das klingt für mich als Westkind erstmal ganz spannend, war allerdings in der Umsetzung leider ebenfalls höchst unfair für Frauen, die damit einer Doppelbelastung ausgesetzt waren. Nach Anne Kaminsky, die zur Geschichte der DDR forscht und das Buch „Frauen in der DDR“ geschrieben hat, verbrachten Frauen im Schnitt 43 Stunden mit Haushalt und Familienbelangen, zusätzlich zu ihren 43 Stunden Erwerbstätigkeit

Das ist die berühmte zweite Schicht. Bei den Männern sah es anders aus. Männer haben in der Regel nur 10 Stunden im Haushalt in der Woche mitgeholfen. Männer hatten 30 Stunden mehr Freizeit als Frauen.

Anne Kaminsky (2016), FRauen in der DDR

Das geht natürlich auch überhaupt nicht klar!

Alles ist im Fluss. Auch die Familie.

Die weiteren Veränderungen der Familiensituationen sind also auf die gesellschaftlichen Änderungen zurückzuführen, die mit der Emanzipationsbewegung in den 60er Jahren entstanden sind: Den Anspruch auf Gleichberechtigung all jener, die sich im Ideal der bürgerlichen Kleinfamilie nicht wiederfanden. Wir sind nach wie vor auf der Suche nach einem gesellschaftlichen Familienentwurf, in dem nicht ein großer Teil unserer Gesellschaft ausgeschlossen, kleingehalten oder ausgebeutet wird. Und das erweist sich leider als unglaublich zäh, da das Bild wie gesagt so tief eingebrannt ist.

Natürlich gibt es noch viele andere Faktoren, die den Wandel der Familie begünstigen, zum Beispiel die Flexibilisierung der Arbeitswelt. Unterschrieb man in den siebziger Jahren einen Arbeitsvertrag, konnte man sich ziemlich sicher sein, wie die nächsten 40 Jahre aussehen würden. Maximale Sicherheit. Heute erleben wir zunehmend eine Durchmischung von Arbeit und Freizeit, hangeln uns von befristetem Vertrag zu befristetem Vertrag. Zudem ist es kaum mehr möglich, mit einem Gehalt eine Familie zu versorgen: all das wirkt sich auch auf unser familiäres Zusammenleben aus, das ist doch klar!

Normal ist die Vielfalt, wir alle sind normal!

Die seit Ende der 1960er-Jahre in Gang gekommene Pluralisierung der Lebensformen und Individualisierung der Lebensführung stellen deshalb eine Rückkehr zur historischen Normalität der Vielfalt dar. 

Norbert F. Schneider (2012), der wandel von der vorindustriellen zur industriellen familie

All die Ausprägungen von Familie, die wir heute sehen – Alleinerziehende, Getrennterziehende, Familien mit gleichgeschlechtlichen Partner*innen, WGs, Patchworkfamilien sind kein Ausdruck zerstörter Familien, sondern Ausdruck normaler familiärer Vielfalt. Und ein Zeichen dafür, dass Familie immer freier, immer glücklicher, immer inklusiver und immer gesünder wird – indem man sie nicht mehr in ein verklärtes Schema presst, das dann auch nichtmal ansatzweise glücklich macht.

Die Politik hinkt hinterher…

Es gibt jedoch ein sehr offensichtliches Problem, dem wir uns viel eher zuwenden sollten: Die systematischen Beschränkungen und Ungerechtigkeiten, mit denen sich vom vermeintlichen Ideal abweichende Familienformen leider aufgrund unseres traditionellen politischen Systems herumschlagen müssen: Das Ehegattensplitting zum Beispiel, unflexible Arbeitszeitmodelle, unzureichende Betreuungsangebote etc. Nennen wir das Kind doch beim Namen: Das träge System hinkt der normalen Weiterentwicklung des Konzepts Familie komplett hinterher!

Ich wünsche mir sehr, dass ich es noch erleben darf, dass diese Vielfalt als Normalität akzeptiert wird, sowohl gesellschaftlich als auch politisch. Dass sie nicht mehr Irritation und Mitleid hervorruft, dass sie nicht mehr von der Politik beschränkt und ausgeschlossen wird.

In dem Sinne, all ihr bunten Familien: Lasst euch nicht unterkriegen! Ihr seid genau richtig, wie ihr seid!

2 Kommentare zu „Der Mythos von der zerstörten Familie

  1. Danke für diesen tollen Beitrag – sagt ein kinderloser Mittvierziger, der – es ist ja fast logisch – seit 10 Jahren von einem Ersatzpapa-Dasein ins nächste springt. Aktuell vermutlich und hoffentlich zum letzten Mal. Der das, was du zu beginn schreibst, aber auch kennt, nur eben aus der, tja, diametralen warte. irgendwie haben alle Kinder, alle können mitreden beim Windelwackelzahn-Gedöns. Nur ich eben nicht. Undd ann diese Blicke, immer diese Blicke – irgednwas zwischen Neid und Argwohn. Zwischen “ der Arsch hat sch ja fein aus der Pflicht gezogen!“ und „hat der es gut, dass er so ein arsch ist und ich häng hier fest!“.
    Was ich damit sagen will: ich glaube die Existenz, wo die Leute nicht doof glotzen, gibt es gar nicht mehr. Auch bei den „perfekten“ Familien nicht, da ist es dann halt was anderes. Weil beide berufstätig sind. Oder wil trotz intakter Superfamilie der Filius oberaggro ist. Oder aber keiner schaut doof, die haben aber dennoch ihre fiese Sache am laufen. Ich selbst habe mir schon oft selbst leid getan, war ja nie mein erklärter Wunsch kinderlos zu sein und weil man als Familienanhängsel irgenwie unfassbar zwischen Baum und Borke hängt, irgednwie wie in einer neverending Bewährungszeit vor zwei oder drei je nach Kinderschar) Leuten. Aber mit der Zeit merkte ich, dass ich es mir damit eebn einfach mache. Wäre ich der echte Papa, dann gäbe es andere Probleme. Ich fokussiere mich seitdem auf die Vorteile der Situation und denke, dass auch du dir das leisten kannst. Wäre ich zB der echte Pap, ich glabe ich würde mich mit miner Frau öfters fetzen wie mit dem Kind warum zu verfahren ist etc. Aber so ist das hervorragend geklärt wer Pflichten und Rechte hat bzgl Kind – sie – und wer nicht – ich. Ich sage ruhig meine Meinung, wenn mir was auffällt, ich für das Kind was anderes besser fände – und damit ist der Drops auch gelutscht.
    Historisch sehe ich das mit deiner Beschreibung des Ehekonstrukts etwas anders, ich glaube nicht an das ewige Opfertum der Frau und das jahrhundettealte Tätertum des Mannes. Geht schon damit los, dass die Ehe ja nun eigentlich ein Konstrukt ist, dass der Natur des Mannes wenig entgegenkommt, was man bis heute bei jeder Hochzeit sieht wo es einen A- und ein B-Hauptdarsteller gibt. Wenn nun auch frauen das alles nicht gefällt zeigt das nur, dass es eine Gemengelage ist, unheilbar verwuickter Mist, über Jahrtausende von beiden Seiten forciert, von allen immer wieder befeuert. Auch diese Telung von „Mann darf raus, Frau muss drinnen bleiben“ wird ja gerne so dargestellt als surft der Mann seit immer auf einer Spasswelle und die Frau hat die A-Karte gezogen. Wenn man sich aber mal so überlegt, was dieses „draußen“ so alles bedeutete, angefangen bei „Tod auf dem Schlachtfeld mit 25“ und endend mit erhöhtem Herzinfarktrisiko, oha, naja, privilegiert ist da wenig dran. Aber das Gestern können wir mal gerne im Gestern lassen. Zumal es sich ja ändert, erst jüngst gelesen, in allen Bevölkerungsgruppen gehehn Alkohol- und Tabakkonsum zurück, nur bei einer nicht: Frauen zwischen 30 und 50, da steigt es an. Noch deutlich unter den Männerzahlen, aber es nähert sich einander an. Wundert mich nicht, wer ein Männerleben will, kriegt ein Männerleben;-) Viele Grüße!

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    1. Lieber David,

      danke dir vielmals für deinen ausführlichen Kommentar, ich freu mich sehr über die Perspektivenerweiterung.. Sehr spannend was du berichtest – und total nachvollziehbar. Letztendlich müssen wir halt alle dafür sorgen, dass wir uns in unserer eigenen Haut (bzw. Familiensituation) wohl fühlen – dann können auch die komischen Blicke nicht mehr viel ausrichten… aber das ist natürlich leichter gesagt, als getan.

      Cool auch, dass du eine „männliche“ Sichtweise auf die Historie ergänzt hast – Ich gebe zu, dass ich es mir da mit der Darstellung bzgl. Ehe etwas zu leicht gemacht habe – ich hatte beim Schreiben weniger den jungen Soldaten oder den schuftenden Fabrikarbeiter im Sinn, als vielmehr einen Dandy vom Typ Don Draper – der hat zwar vielleicht irgendwann einen Herzinfarkt gekriegt, aber vorher ist er schon ganz schön auf der Spaßwelle gesurft.. Das ist aber natürlich alles andere als ein vollständiges Bild…

      Letztendlich gebe ich dir aber absolut recht: Dieses Eheding ist irgendwie für beide Seiten unbefriedigend. Und seien wir mal ehrlich, so richtig gelebt wird es doch auch von den Wenigsten. „Bis dass der Tod uns scheidet“ macht ja sowieso kaum mehr jemand, wir heucheln uns halt nach wie vor vor, wir wären monogame Wesen, in dem wir seriell treu sind, oder heimliche Affären haben (die halt irgendwie nicht zählen) usw.

      Naja, is halt alles nicht so einfach. Aber deshalb umso spannender!

      Viele Grüße zurück!

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