Kindesunterhalt im Wechselmodell

Geld ist ein schwieriges Thema. Vor allem nach einer Trennung, wenn es um Unterhaltszahlungen geht.

Das Thema Unterhalt ist im Wechselmodell in vielerlei Hinsicht schwierig. Zwar gibt es rechtlich klare Vorgaben, jedoch kommt hier eine emotionale Komponente hinzu, die es im Residenzmodell so nicht gibt: Im Wechselmodell wird die Care-Arbeit genau hälftig geteilt, somit können beide Elternteile sich in der verbleibenden Hälfte der Zeit um Arbeit und Karriere kümmern. Da könnte man ja meinen, dass einfach beide Seiten selbst für ihr finanzielles Auskommen verantwortlich seien, das Thema Geld also einfach ausgespart werden könne. Dem ist aber nicht so, denn man hat ja mit dem Kind nicht nur eine gemeinsame Verantwortung, sondern auch eine gemeinsame Vorgeschichte. Und man hängt auch nach der Trennung gerade im Wechselmodell stark voneinander ab.

Vorneweg: Ich bin keine Anwältin oder Rechtswissenschaftlerin oder sonstwie Expertin auf diesem Gebiet – ich habe mich zu dem Thema in eigener Sache sehr viel belesen und teile hier nur mit dir, was ich herausgefunden und erlebt habe. So steckte ich zum Beispiel bei der ersten Trennung noch im Studium, während der Papa schon arbeitete. Das lag nicht daran, dass ich fauler war als er – ich hatte halt einfach länger wegen der Kinder pausiert. Außerdem lebten wir in „seiner“ Stadt, er konnte also auf ein großes Netzwerk an UnterstützerInnen zurückgreifen, während ich so ziemlich allein da stand. Es waren also extrem ungleiche Voraussetzungen, die wir beide in der Trennungssituation hatten. Erschwerend kam hinzu, dass ich die treibende Kraft bei der Trennung gewesen war. Ihr könnt euch denken, dass seine Motivation, mir finanzielle Unterstützung zukommen zulassen, entsprechend gering war. Heißt: Er hat sich schlichtweg geweigert, über das Thema auch nur zu sprechen. Und ich war jung und überfordert und habe das akzeptiert. Damals erschien mir das logisch und ich habe mich irgendwie durchgekämpft. Heute sehe ich das etwas anders. Und ich möchte dich ermutigen, dich dem Thema zuzuwenden, auch wenn es schwierig ist, wenn es emotionaler Sprengstoff sein kann. Denn letztendlich geht es auch hier wieder nicht um dich, sondern um dein Kind.

Die gute Nachricht ist: Ihr müsst euch ja nicht sofort auf etwas festlegen. Strebt ihr eine Klärung ohne gerichtliche Unterstützung an, seid ihr in der Regelung der Unterhaltszahlungen genauso frei, wie in der Regelung der Betreuungsvereinbarung. Ihr könnt das unangenehme Thema also erstmal hintenanstellen, wenn es nicht superdringend ist. Und euch dann damit beschäftigen, wenn etwas Ruhe eingekehrt ist.

Für eine systematische Betrachtung lohnt es sich, sich vorab mit folgenden Fragen zu beschäftigen:

  1. Was sind die rechtlichen Rahmenbedingungen?
  2. Wie sieht eure ganz individuelle Situation aus?
    1. Welche kinderbezogenen Kosten und Einnahmen gibt es?
    2. Was verdiene ich, was verdient mein Co-Elternteil?
    3. Welche Vorteile/Nachteile habe ich vielleicht aus der Beziehung mitgenommen, die mir die jetzige Situation erleichtern/erschweren?
    4. Was brauche ich/was kann ich geben?
    5. Was fühlt sich fair an?

1. Rechtliche Rahmenbedingungen für Unterhalt im Wechselmodell

Grundsätzlich erstmal: Wenn man von Unterhalt spricht, kann man zwei unterschiedliche Dinge meinen: Den sogenannten „Ehegattenunterhalt“ und den Kindesunterhalt. Hier soll es nur um den Kindesunterhalt gehen. Der Kindesunterhalt sind Versorgungsansprüche, die das Kind an seine Eltern hat, er steht also dem KIND zu, nicht dem Co-Elternteil. Vor allem in emotional schwierigen Situationen kann es helfen, sich das noch einmal ganz klar zu machen – Man zahlt das Geld zwar an den Co-Elternteil aus, letztendlich ist es aber für die Versorgung des Kindes gedacht.

Grundsätzlich sind immer beide Eltern dem Kind gegenüber unterhaltspflichtig. Die Höhe des Unterhaltsanspruches des Kindes ist abhängig vom Verdienst der Eltern – Kinder mit gut verdienenden Eltern haben demnach Anspruch auf mehr Unterhalt, als Kinder von weniger gut verdienenden Eltern. So stehen beispielsweise einem Kleinkind, dessen Eltern netto 1500 € verdienen, 369€ pro Monat zu, Kindern mit Eltern, die netto 5000€ verdienen, hingegen schon 591€. Die genauen Zahlen und Abstufungen findest du in der sogenannten Düsseldorfer Tabelle.

Wenn du dir ein Bild davon machen willst, wie deine persönliche Situation aussieht, kannst du auch einen der zahlreichen Unterhaltsrechner nutzen, die im Netz frei verfügbar sind, z.B. hier.

Naturalunterhalt vs. Barunterhalt

Den Kindesunterhalt kann man nun aufteilen in Naturalunterhalt und Barunterhalt. Unter dem Naturalunterhalt wird alles zusammengefasst, was man für das Kind im Alltag so bereitstellen muss: Essen, Zimmer, Kleidung, Betreuung, Geld für Hobbys etc. Der Barunterhalt ist entsprechend eine finanzielle Ausgleichszahlung durch den Elternteil, der sich nicht aktiv oder zu einem geringeren Anteil am Naturalunterhalt beteiligt.

Im klassischen Residenzmodell ist die Aufteilung Bar- vs. Naturalunterhalt einfach: Der Elternteil, bei dem das Kind hauptsächlich lebt, kommt für den Naturalunterhalt auf – der andere beteiligt sich in Form des Barunterhalts, gemessen an seinem Einkommen. Das Einkommen des Hauptelternteils spielt bei dieser Berechnung keine Rolle.

Im Wechselmodell ist es etwas komplizierter, denn dort teilen sich die Eltern den Naturalunterhalt paritätisch, es kommen also beide für die Pflege und Versorgung auf. Ob es zusätzlich Barunterhaltsansprüche gibt, hängt vom Einkommen beider Eltern ab: Verdienen beide etwa gleich viel Geld, ist keiner der beiden zu Unterhaltszahlungen verpflichtet. Verdient jedoch einer der beiden mehr, so ist derjenige auch verantwortlich, die größere Belastung zu schultern.

Wie erklären sich nun Unterhaltsansprüche im Wechselmodell?

Das erklärt sich wie folgt: Die Einkommen beider Eltern werden für die Berechnung der Ansprüche des Kindes addiert – die Summe ist die Berechnungsgrundlage für die Unterhaltsansprüche. Ich gebe mal ein grob vereinfachtes Beispiel, nur um das Prinzip zu verdeutlichen:

Verdienen beide Co-Elternteile jeweils 2500 €, so ist die Berechnungsgrundlage 5000€. Das Kind hat demnach einen Anspruch auf 591€ pro Monat. Da beide Eltern gleich viel verdienen, ist es beiden gleichermaßen zuzumuten, die Hälfte dieser 591€ zu schultern. Beide kümmern sich ja aber im Wechselmodell um die Bereitstellung von „Naturalunterhalt“, es muss also kein „Barunterhalt“ fließen. Verdient einer der Eltern 4000€ und der andere 1000€, ergibt sich die gleiche Berechnungsgrundlage von 5000€ – das Kind hat demnach auch den gleichen Unterhaltsanspruch von 591€. In diesem Fall wäre es aber sehr unfair, beide Co-Eltern gleichermaßen zu belasten, da ein großes Verdienstgefälle vorliegt. In diesem Fall wäre die Besserverdienende also verpflichtet, prozentual einen höheren Anteil zu übernehmen. Derjenige wäre also verpflichtet, einen Ausgleich in Form von Barunterhalt an den weniger Verdienenden zu zahlen.

Wie gesagt ist die Berechnung grob vereinfacht – ich habe sowas wie „Eigenbehalt“ der Eltern sowie Kindergeldanspruch ganz außen vor gelassen, um es nicht unnötig zu verkomplizieren. Hier sei wieder auf die Unterhaltsrechner verwiesen, die ich oben schon erwähnte, wenn du dir ein genaueres Bild von eurer Situation machen willst.

2. Eure individuelle Wechselmodell-Situation

Soweit die rechtliche Grundlage. Ob man damit nun aber in der eigenen Situation glücklich wird, ist die andere Frage, die nur ihr gemeinsam beantworten könnt. Deshalb schaut euch eure Situation ganz genau an und überlegt gemeinsam, welche individuellen Aspekte ihr in die Vereinbarung mit einbeziehen wollt, um eine zufriedenstellende Lösung für euch persönlich zu finden.

2.1. Kinderbezogene Einnahmen und Ausgaben

An erster Stelle steht die Bestandsaufnahme. Welche kinderbezogenen Einnahmen und Kosten gibt es und wer trägt sie zu welchem Anteil? In diese Berechnung sollte alles mit einfließen, was ihr an regelmäßigen Kosten habt, wie Wohnung, Essen, Kleidung, jedoch auch einmalige Sonderausgaben, wie die Anschaffung eines Smartphones oder die zweijährlich stattfindende Klassenfahrt.

Ich weiß, dass das nicht ganz einfach ist und sich ständig ändert und angepasst werden muss. Ihr könnt ja zum Beispiel einmal im Jahr versuchen, eine Vorhersage für das nächste Jahr zu treffen. Selbst wenn es nur Schätzungen sind, habt ihr so zumindest schon einmal einen groben Anhaltspunkt. Im darauffolgenden Jahr könnt ihr dann Abrechnung für das letzte Jahr machen und euch wiederum für das nächste Jahr einen groben Plan machen.

Braucht ihr Unterstützung dabei, eine systematische Aufstellung zu machen? Dann könnt ihr hier kostenlos ein einfaches Formular dafür herunterladen:

2.2. Elternverdienst

Dazu muss nicht viel gesagt werden. Ja, über Geld spricht man in unserer Gesellschaft nicht gerne. Aber zwischen euch, als gemeinsam Verantwortlichen für ein Kind, sollte hier möglichst Transparenz herrschen.

2.3. Vorteile/Nachteile aus der Beziehung

Nun wird es etwas schwammig. Ich traue mich trotzdem, etwas dazu zu sagen und hoffe, du tust es auch: Meistens gibt es in Beziehungen einen Part, der in den ersten Jahren mit Kind eher verantwortlich für Kindesbelange ist. Egal wer von beiden es ist: Es versetzt der Karriere einen Knick, es sorgt für langsameres Vorankommen, für insgesamt lebenslang weniger Verdienst und, schauen wir ganz weit in die Zukunft, für geringere Rentenansprüche.

Das solltest du nun sicher nicht zum Anlass nehmen, große Versorgungsleistungen zu fordern. Wenn es allerdings um mögliche Unterhaltsansprüche geht, darf dieses Thema ruhig mit auf den Tisch gepackt werden.

Der Wohnort kann ein weiterer Vorteil bzw. Nachteil sein, den ihr aus eurer Beziehung mitgenommen habt. Natürlich habt ihr euch in der Beziehung gemeinsam dafür entschieden, wo eure Familie ihren Lebensmittelpunkt haben soll – mit der Trennung ändern sich aber die Vorzeichen, das ist nun mal so. Wenn dadurch ein massiver Nachteil für einen Part entsteht, sollte man die Diskussion darüber zulassen.

Sicher gibt es noch viele weitere Themen, die in diese Kategorie fallen können, ich habe beispielhaft nur die erwähnt, die mich selbst betroffen haben. Ergänzt gerne in den Kommentaren eure eigenen!

2.4. Der eigene Bedarf – der eigene Spielraum

Ob du die Möglichkeit hast, auf mögliche Unterhaltsansprüche zu verzichten, hängt natürlich auch von deiner persönlichen Situation, deinem Bedarf ab. Ebenso andersherum – hast du finanziellen Spielraum fällt es dir vielleicht leichter, auf deinen Co-Elternteil zuzugehen. Auch hier immer klar machen: Wichtig ist, dass dein Kind nicht unter einem möglichen Verzicht leidet.

2.5. Was fühlt sich fair an?

Der Fairness-Aspekt ist natürlich am wenigsten objektivierbar und deshalb am schwersten zu besprechen. Er spielt eigentlich in alle oben genannten Punkte mit rein.

Was zum Beispiel, wenn die Ärztin sich entscheidet nicht in ihrem Beruf zu arbeiten, sondern sich lieber als freiberuflicher Künstlerin durchschlagen will, während der andere Elternteil zähneknirschend in seinem Krankenhaus-Job bleibt, der finanziellen Stabilität des Kindes zuliebe? Was, wenn auf der Kinder-Kostenliste der Reitunterricht mit Abstand der teuerste monatliche Posten ist – aber nur einer der Co-Eltern möchte dieses teure Hobby unterstützen, während der andere es völlig übertrieben findet? Was wenn einer gerne immer die teuersten neuen Öko-Lederschuhe kaufen will, während die andere auch völlig damit leben könnte, wenn die schnell wachsenden Füße des Kindes in Second-Hand-Kunstlederschuhen stecken? Und so weiter, ich denke das Prinzip ist klar.

Da das so individuell ist, kann ich hier leider kein Patentrezept vorgeben, außer: Redet miteinander, versucht einander zu verstehen und Kompromisse zu finden. Wenn ihr euch nicht wohl damit fühlt, Barunterhalt zu zahlen, dann versucht doch einfach über Kostenverteilung ein Gleichgewicht herzustellen – das Kind könnte dann zum Beispiel die teuren Schuhe bekommen, bezahlt werden sie aber von dem Elternteil, dem das wichtig ist.

…man kann es nicht oft genug sagen

Es geht bei jeder Vereinbarung, die ihr in Bezug aufs Wechselmodell trefft, um euer Kind, und nicht darum, einen Nach-Trennungskampf zu gewinnen. Emotionen, die durch eure Beziehung und Trennung entstanden sind, kann man natürlich nicht immer ausschalten – sie sollten jedoch nicht vornehmlich beeinflussen, wie ihr euch dem Thema Unterhalt im Wechselmodell annähert.

In diesem Sinne: Viel Erfolg bei den Gesprächen, ihr rockt das!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s